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LA Berlin F Rep. 290-02-06 Nr. 167/1

Walter Bahn

In der Mitte Rechtsanwalt Walter Bahn, rechts der Angeklagte Wilhelm Hintze.

Der Bankier Wilhelm Hintze schoss am 23. Oktober 1932 am Bühneneingang des Opernhauses Charlottenburg auf seine Ehefrau, die Opernsängerin Gertrud Bindernagel und verletzte sie tödlich. In einer Kurzbiographie Gertrud Bindernagels liest man hierzu:

Bindernagel was married twice. In late October 1932, her estranged second husband, banker Wilhelm Hintze, shot the singer at the Berlin Opera House as she was leaving after a performance in "Siegfried". She lingered in a hospital for several days before dying from her wounds. At the trial Hintze claimed that his wife and her lover were conspiring to ruin him financially; in fact there was neither a lover or a conspiracy. Hintze served 12 years in prison for the murder (Quelle: http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=8957776).


Walter Bahn (geboren am 6.10. 1873 in Spiegelberg, verstorben am 21.7. 1952 in Berlin) war zu diesem Zeitpunkt schon fast 30 Jahre ein bekannter Strafverteidiger; einer seiner ersten großen Fälle war 1906 die Verteidigung des Schusters Wilhelm Voigt („Hauptmann von Köpenick“). 1934 veröffentlichte er einen Kommentar zum Preußischen Jagdgesetz. Das Kriminal-Magazin schrieb über ihn Anfang der 30er Jahre  (http://www.anwaltsgeschichte.de/kriminal-magazin/kriminal-magazin.html):

Unmittelbar am Moabiter Kriminalgericht hat Rechtsanwalt Walter Bahn seine Arbeitsstätte angesiedelt. Auch sein Name ist aus vielen Sensationsprozessen bekannt. Unbekannter sind die unzähligen Fälle, in denen dieser Volksverteidiger sich ohne Hinblick auf äußere Erfolge der Nöte armer Bedrängter annahm, deren Anliegen er mit menschlich-mitfühlendem Herzen vertrat. Sein Anwaltsbüro ist ein Zufluchtsort der Gestrauchelten aus jeder Lebensschicht.

Walter Bahn ist ein Redner hohen Grades, ein Temperament, gebändigt vom Willen beherrschter Zielsicherheit und ruhig-überlegener Männlichkeit. Das Juristenblut ist ihm schon von der Wiege eingeimpft. Er ist das dritte Glied einer alten Juristenfamilie, die sich bereits wieder ins vierte Glied fortvererbt. Sein Großvater war Kreisgerichtsdirektor und Verfasser eines bekannten Buches über „Diebstahl“, sein Vater Richter und später Anwalt und sein Sohn studiert auch wieder Jura. Rechtsanwalt Bahn verteidigte vor dem Kriege Lustmörder Berger, der die kleine Lucie Berlin auf scheußliche Weise umbrachte, dann den Hauptmann von Köpenick, dessen Husarenstreich die ganze Welt in Gelächter versetzte, sowie den großen Raubmörder Sternickel und Frau von Schönebeck in Allenstein, die ihren Gatten, den Major von Schönebeck, erschossen hatte. Im Moabiter Krawallprozeß zog er sich eine Ordnungsstrafe zu, weil er dem Gericht unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber (der gefürchteten Lieberkammer), mit erhobener Hand die Worte zugerufen hatte: “Man schneidet mir das Wort ab“. Das Kammergericht bestätigte die Ordnungsstrafe mit der Begründung, ein Anwalt müsse sich in politischen Prozessen vorsichtig verhalten. Im Barmat-Prozeß vertrat Bahn die Gebrüder Barmat bis zur Hauptverhandlung. Neuerdings verteidigt er die Kontoristin Anthony, die eine Aufwärterin erstochen hatte und den Giftmörder Brauer in Neustrelitz.

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